Lexikon Senkfuß
Definition des Senkfußes
Ein Senkfuß liegt vor, wenn das innere Längsgewölbe des Fußes abgeflacht ist. Im Stehen ist der Fußinnenrand also tiefer als normal, oft erkennbar an einem breiteren mittleren Fußabdruck. Ist das Gewölbe so weit eingesunken, dass die Fußsohle im gesamten Bereich auf dem Boden aufliegt, spricht man von einem Plattfuß, der eine ausgeprägte Extremform des Senkfußes darstellt. Vom Knickfuß spricht man, wenn die Ferse nach innen einknickt und der Innenknöchel deutlich hervorsteht. Häufig treten abgesenktes Gewölbe und Einknicken der Ferse gemeinsam auf – man bezeichnet dies dann als Knick-Senkfuß. Ebenfalls oft kombiniert ist ein abgesenktes Längsgewölbe mit einem Spreizfuß (Abflachung des Quergewölbes im Vorfuß): In diesem Fall wird der Vorderfuß breiter und man spricht von einem Senk-Spreizfuß. Knickt zusätzlich die Ferse nach innen, liegt ein Knick-Senk-Spreizfuß vor.
Ein Senkfuß gehört zu den häufigsten Fußfehlstellungen – etwa jeder fünfte Mensch hat ein leicht abgesenktes Fußlängsgewölbe. Wichtig zu wissen ist, dass bei Babys und Kleinkindern ein Senkfuß zunächst physiologisch ist: Das Fußgewölbe bildet sich erst ungefähr bis zum Schulalter vollständig aus. Besteht die Abflachung des Gewölbes jedoch über das Kindesalter hinaus fort oder entwickelt sie sich im Erwachsenenalter neu, handelt es sich um eine bleibende Fußfehlstellung, die behandlungsbedürftig sein kann.
Ursachen und Risikofaktoren
In den allermeisten Fällen entsteht ein Senkfuß durch eine Schwäche der Fußmuskulatur und Bänder, die das Fußgewölbe normalerweise stützen. Bei Kleinkindern ist diese Muskelschwäche zunächst normal, da sich die Muskulatur erst entwickeln muss. Im Laufe der Kindheit sollte sich das Längsgewölbe aufrichten – bleibt dies aus, oder erschlaffen die Strukturen im Erwachsenenalter (etwa durch Bewegungsmangel), senkt sich das Gewölbe ab. Nur sehr selten sind angeborene Fehlbildungen (wie z.B. ein Talus verticalis) der Auslöser für einen Senkfuß. Häufiger liegen erworbene Ursachen vor. Folgende Faktoren begünstigen die Entstehung eines Senkfußes im Jugend- oder Erwachsenenalter:
- Muskel- und Bänderschwäche: Schwache Fußmuskulatur, überdehnbares Bindegewebe oder instabile Bänder führen dazu, dass das Gewölbe nachgibt. Eine bewegungsarme Lebensweise – verstärkt durch das ständige Tragen fest stützender Schuhe – schwächt die Füße zusätzlich.
- Bewegungsmangel: Fehlende Trainingsreize (z.B. selten barfuß laufen oder gezielte Fußgymnastik) verhindern den Aufbau der notwendigen Muskelspannung im Fuß.
- Übergewicht: Ein hohes Körpergewicht belastet die Fußgewölbe stark und kann deren Senkung fördern. Übergewicht in der Kindheit erhöht auch das Risiko, dass ein zunächst flexibler Senkfuß bestehen bleibt.
- Ungeeignetes Schuhwerk: Schuhe ohne Fußstütze können auf Dauer die Statik des Fußes negativ beeinflussen. Insbesondere langes Tragen von Schuhen mit harter Sohle (ohne Ausgleich durch Barfußphasen) begünstigt eine Fußmuskelschwäche.
- Überlastung: Langes Stehen, schweres Tragen oder repetitive Belastungen (z.B. sportliche Sprungbelastungen) können die Bänder im Fuß überdehnen. Dadurch senkt sich das Gewölbe und der Fuß wird breiter aufgesetzt.
- Verletzungen und Krankheiten: Verletzungen wie Knochenbrüche oder Sehnenrisse am Fuß (besonders ein Riss/Schaden der Tibialis-posterior-Sehne) können zu einem Senkfuß führen. Auch chronische Erkrankungen wie Rheuma oder neurologische/muskuläre Krankheiten (z.B. Trisomie 21 mit genereller Muskelschwäche) erhöhen das Risiko für Senk-/Plattfüße.
Symptome und Diagnose
Ein abgesenktes Fußgewölbe verursacht nicht immer sofort Beschwerden. Flexible Senkfüße (weiche, bewegliche Fehlstellung) bleiben insbesondere bei Kindern oft beschwerdefrei. Treten Symptome auf, machen sie sich meist unter Belastung bemerkbar. Betroffene berichten über schmerzende oder schnell ermüdende Füße nach längerem Gehen oder Stehen. Die Schmerzen treten vor allem an der Fußinnenseite (Längsgewölbe, Innenknöchel) und im Fersenbereich auf. Sichtbar können sich an der inneren Fußsohle Druckschwielen (Schwielen und Hornhaut) bilden, da dort ungewohnt viel Belastung stattfindet. In ausgeprägten Fällen – insbesondere wenn eine Sehnenschädigung (z.B. der Tibialis-posterior-Sehne) vorliegt – treten auch Schwellungen und Schmerzen am Innenknöchel auf. Ein unbehandelter Knick-Senkfuß kann zudem langfristig den gesamten Bewegungsapparat beeinflussen: Durch die veränderte Statik und Dämpfung entwickeln manche Patienten Folgeprobleme an den Knien oder Hüften. Auch Rückenbeschwerden bis hin zu Bandscheibenproblemen oder Fersenschmerzen (Fersensporn) sind als Spätfolgen eines über Jahre bestehenden Senkfußes möglich.
Die Diagnose Senkfuß wird in der Regel durch eine klinische Untersuchung gestellt. Orthopäden betrachten dabei den Fuß im Stand und beim Gehen von hinten und von der Seite. Auffällig ist der abgeflachte Innenrand des Fußes und ggf. ein „Knick“ im Fersenbereich. Ein einfacher Fußabdruck-Test kann Hinweise geben: Auf einem Abdruck (z.B. im Trittspurpapier oder beim Barfußlaufen auf feuchtem Untergrund) ist ein Senkfuß daran erkennbar, dass der Abdruck in der Mitte breiter ist als normal bzw. nahezu die ganze Sohle abgebildet wird. Bei einem Plattfuß wäre der Abdruck komplett ausgefüllt. Moderne Analysemethoden wie die digitale Fußdruckmessung erfassen die Belastungsverteilung des Fußes im Stand und in der Bewegung noch genauer. Auch eine videogestützte Ganganalyse kann helfen, Fehlstellungen im Bewegungsablauf zu erkennen. In manchen Fällen werden Röntgenaufnahmen im Stehen angefertigt, um knöcherne Veränderungen oder den Schweregrad (z.B. Winkelabweichungen) zu beurteilen. Letztlich sollte die genaue Diagnose stets durch eine Ärztin oder einen Arzt erfolgen.
Behandlungsmöglichkeiten
Konservative Therapie: Bei einem flexiblen Senkfuß, der keine Schmerzen verursacht, ist in der Regel keine spezifische Therapie erforderlich. Insbesondere bei Kindern wird oft abgewartet, da sich das Fußgewölbe von selbst noch entwickeln kann. Sobald jedoch Schmerzen bestehen oder die Fehlstellung ausgeprägt (gegebenenfalls starr) ist, sollte behandelt werden. Vorrangiges Ziel der konservativen Behandlung ist es, die Fußstatik zu verbessern, Schmerzen zu lindern und ein Fortschreiten der Fehlstellung zu verhindern. An erster Stelle steht dabei Muskeltraining: Durch gezielte Fußgymnastik und Kräftigungsübungen soll die Fußmuskulatur gestärkt werden. Dies kann in Eigenregie oder im Rahmen einer Physiotherapie erfolgen. Empfehlenswert ist auch häufiges Barfußlaufen auf verschiedenem Untergrund, um die natürliche Muskulatur zu aktivieren. Zusätzlich kommen oft orthopädische Einlagen zum Einsatz. Diese Maßeinlagen werden vom Orthopädietechniker individuell angepasst und im Schuh getragen. Sie stützen das abgesenkte Längsgewölbe und richten den Fuß wieder etwas auf. Durch eine definierte Führung der Ferse kann die Position des Fersenbeins korrigiert und eine pronierte (eingeknickte) Stellung teilweise ausgeglichen werden. Auf diese Weise verbessern Einlagen die Statik, fördern eine gesunde Haltung und können Schmerzen spürbar reduzieren. Neben Einlagen gibt es auch stützende Schuhe oder Schuhzurichtungen (siehe unten), die dem Fußgewölbe Halt geben – zum Beispiel Stabilschuhe für Sportler. Ebenfalls wichtig sind begleitende Maßnahmen wie Gewichtsreduktion bei Übergewicht und das Meiden von fußbelastenden Aktivitäten, bis die Beschwerden abklingen. In einigen Fällen kann auch eine zeitweise Entlastung (Schonung, Kühlung bei Entzündungen) sinnvoll sein.
Operative Therapie: Falls die konservativen Maßnahmen nicht zum gewünschten Erfolg führen oder starke Schmerzen sowie strukturelle Probleme bestehen, kann eine Operation in Betracht gezogen werden. Operative Eingriffe bei Senkfuß zielen meist darauf ab, die Fußstatik dauerhaft zu korrigieren. Je nach Ursache und Ausprägung stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung. Oft wird an den knöchernen Strukturen angesetzt oder die Sehnen und Bänder werden rekonstruiert. Beispielsweise kann durch eine Osteotomie (operative Durchtrennung und Stellungskorrektur) des Fersenbeins die Fehlstellung der Ferse behoben werden. Wenn eine Sehnenschwäche (etwa der Tibialis-posterior-Sehne) ursächlich ist, kommt eine Sehnenoperation infrage – etwa die Verstärkung oder Umlagerung von Sehnen, um das Längsgewölbe wieder aufzurichten. In schweren Fällen (z.B. rigider Plattfuß mit Arthrose) können auch Versteifungsoperationen an den betroffenen Fußwurzelgelenken durchgeführt werden, um eine belastbare, wenn auch unbeweglichere Fußstellung zu erreichen. Die Wahl des Verfahrens richtet sich nach dem individuellen Befund. Operiert wird meist erst, wenn konservative Therapien ausgeschöpft sind oder die Fehlstellung sehr ausgeprägt und schmerzhaft ist. Nach einer Operation folgen in der Regel Rehabilitation, Physiotherapie und orthopädische Hilfsmittel, um den Heilungsprozess zu unterstützen.
Hinweis: Dieser Text ersetzt keine medizinische Beratung. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden konsultieren Sie bitte einen Facharzt.
